Imkerei in der Baumschule!

Warum ich imkere.

Seit über 30 Jahren faszinieren ich mich nun schon die Bienen. Bienen sind für mich Teil des Gesamtverständnis von Natur, Landwirtschaft und Gartenbau. "Ein Imker der nichts von Pflanzen versteht, ist ein schlechter Imker. Ein Gärtner der nichts von Bienen versteht, ist ein schlechter Gärtner." Conrad von Randow 1984 in einem Imkerkurs an der Meisterschule für Gärtner und Floristen in Bonn Friesdorf.

Da viele wichtige Arbeiten in der Imkerei genau ein die Arbeitsspitze in der Baumschule zusammenfällt, habe ich mich schon früh entschlossen nur die Baumschule kommerziell zu betreiben. Meine Imkerei blieb immer ein faszinierendes Hobby. Nach über 30 Jahren Imkererfahrung bin ich mehr den je überzeugt, dass die meisten Probleme die die Honigbienen haben durch kommerzielle Imker ausgelöst wurden.

Bienensterben mal ganz anders erklärt

Da nun fast täglich Medienberichte über Bienensterben veröffentlicht werden, werde ich nun auch mal meine Gedanken zu dem Thema zusammenfassen. Die meisten Medienberichte werden ja nicht von Imkern verfasst (es sei denn, dass sie nur zur Eigendarstellung für den eigenen Honigabsatz). Dadurch werden sehr viele Begriffe verwechselt und missverstanden. Einige Begriffe möchte ich zum Verständnis mal aus eigener Sicht vorab beschreiben.


Was sind Honigbienen?

Honigbienen sind völkerbildende Bienenarten, die als ganzes Volk überwintern. Um während der trachtlosen Zeit zu überstehen sammeln sie Honig. Ein Hummelvolk sammelt keinen Honig, da es nicht als Volk überwintert, sondern als einzelne winterschlafende Königinnen, die im Frühjahr erst einmal alleine anfangen müssen.

In ganz Europa und ganz Afrika hat die Natur nur eine einzige Art der Honigbiene entstehen lassen (Apis mellifera). Die Anpassung an die unterschiedliche Klimazonen und Vegetationen erfolgte ausschließlich durch Evolution unterschiedlicher Rassen. In Asien entstanden jedoch acht andere Arten von Honigbiene vor, die sich an die dortigen Bedingungen angepasst haben. In Nordamerika und Südamerika entstanden keine Honigbienenarten. Die Evolution von Blütenpflanzen fand dort mit anderen Wildbienenarten statt. Da die Europäer in Amerika jedoch Honig essen wollten importierte man vor ein paar hundert Jahren europäische Honigbienen nach Nord- und Südamerika, die in ihrer neuen Heimat sich jedoch auch auswilderten.


Was ist Imkerei?

Imkerei nennt man die Kultur der Honigbiene mit dem vorrangigen Ziel der Gewinnung von Honig und andern Imkerprodukten.

An die Bestäubung von Pflanzenblüten dachte man früher nicht. Anders als bei der Schweinezucht stand die Genpool immer im Kontext mit den wildlebenden Honigbienen, da die Begattung der Königinnen viele Kilometer außerhalb des normalen Flugradius der Arbeiterinnen stattfindet. Führt der Imker fremde Bienenrassen auf seinen Stand, verändert er damit auch die genetische Substanz benachbarter Bienenstände bis in 10 km Entfernung.


Was sind Wildbienen?

Der Begriff Wildbiene wird heute meist nur noch für "Solitärbienen" verwendet. Das sind Bienenarten die keine Völker bilden und deshalb auch keinen Honig machen. Die Trachtpflanzen von Honigbienen und Solitärbienen sind theoretisch ähnlich. Praktisch jedoch nicht, da Solitärbienen einen Flugkreis von höchstens 100 m haben. Die Honigbienen haben Flugkreis von 6000 m. Auch sammeln Honigbienen zu anderen Zeiten und bei anderen Temperaturen als die Solitärbienen. Eine Konkurrenz zwischen den Gruppen gibt es nicht wirklich.


Wie wichtig sind die Honigbienen?

Die Pflanzenvielfalt in der Natur von Amerika ist nicht abhängig von der Existenz der Honigbiene. In Europa und Afrika würde das Verschwinden der Honigbiene jedoch das Austerben von vielen Pflanzenarten auslösen. Somit dient die Imkerei nicht nur der Landwirtschaft (Raps, Obstbau, Buchweizen) sondern auch dem Artenschutz in der Natur. Trotz aller Kritik an die Imkerschaft die gleich noch kommen wird, halte ich das Verbot zur Aufstellung von Bienenvölker im Naturschutzgebiet Siebengebirge als ein Zeichen von Unkenntnis.

 

Varroa-Katastrofe! Was war geschehen?

Imkereien in Asien experimentierten mit europäischen Honigbienen.So gelangten Parasiten (Varroa) der asiatischen Honigbiene in Völker der europäischen Honigbiene. Durch Wanderung der Imker wurden infizierte Völker wieder in das natürliche Verbreitungsgebiet der europäischen Honigbiene gebracht, von wo sich die Varroa dann auf den gesamten europäischen Kontinent ausbreitete.

Gleichzeitig experimentierten deutsch Bieneninstitute mit europäischen Bienenvölker in Asien und brachten auf der Rückreise der Völker Varroen nach Deutschland. Befallene Völker der europäischen Honigbiene haben keine ausreichende Abwehrmechanismen gegen die Varroa und sterben in ein bis zwei Jahren ab.


Zeitenwende

Noch bis Mitte der 70er Jahre lebten in Europa noch einige Honigbienen-Rassen wild. Imkereien bedienten sich meist der in der Region natürlich vorkommenden Rasse. Trotz züchterische Selektion der Imker entsprach das Genmaterial der Honigbienen in etwa der wild lebenden Honigbiene, da eine stete Durchkreuzen mit den wildlebenden Völkern statt fand. Die eigentliche Zucht vollzog sich in der Natur.

Die Verbreitung der Varroa in ganz Europa führte zum Aussterben von allen wildlebenden Honigbienenvölkern. Keinem fiel es auf. Eine Einkreuzung der „Imkerbienen“ mit den "von der gnadenlosen Natur selektierten" Wildhonigbienen fand ab den 80er Jahren nicht mehr statt. Die Berufsimker schöpften ihre nun größer gewordenen Möglichkeiten voll aus und selektierten nach Ertragsstärke und Sanftmut. Niemandem fiel auf, dass in Europa die wichtigste Wildtierart ausgestorben war. Berufsimker brachten die Varroa aus Europa dann auch nach Nordamerika, wo dann auch alle wild lebenden europäischen Honigvölker abstarben. Und das ohne Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Fortan überlebten Honigbienen ausschließlich in der Obhut der Imker, die wirksame Varroabekämpfungskonzepte entwickelten.

Heute glaubt die Öffentlichkeit (Imker, Imkerverbände, Imker, Ökologen, Wissenschaftler, Mediendienste) dass die Honigbienen zwar am Sterben sind, jedoch noch nicht ausgestorben sind. Für mich sieht das so aus, als wenn nach der Ausrottung des Auerochsens der Bauernverband oder das Agrarministerium dies bestreiten würde mit dem Hinweis, dass es ja doch 12 Millionen Rinder in Deutschland geben würde. Unfassbar, dass niemand auch nur etwas genauer hinschaut.


Was ist das Bienensterben?

Zwanzig Jahre nach dem Aussterben der wilden Honigbiene in Europa fanden amerikanische PR Agenturen heraus, das die Platzierung von Nachrichten eines "mysteriösen Bienenvölkersterben" die Auktionspreise für Bestäubungsvölker in kalifornischen Mandelplantagen in die Höhe schnellen ließ. Das "Bienensterben" war erfunden. Alle Protagonisten waren glücklich: Amerikanische Industrieimker verdienten sich eine goldene Nase, Bieneninstitute und Wissenschaftler sichteten sich Forschungsgelder in Millionenhöhe und die Medien hatten ein zusätzliches Katastrophenthema. In Folge entdeckten auch Ökoaktivisten, das man das Thema Bienensterben prima für die eigene Propaganda gegen Chemiekonzerne verwenden konnte.


Welche Folgen hatte das "Bienensterben" bis jetzt?

Durch die (in den 80er und 90er Jahren nicht gekannte) Medienpräsenz des Bienenthemas wurde das Interesse an der Imkerei einer breiteren Öffentlichkeit geweckt. Das Motiv mit der Imkerei auch tatsächlich zu beginnen wandelte sich: Früher war es ein Hobby mit dem man auch kleinere Erträge erwirtschaften konnte. Heute glauben die meisten Imkernovizen, dass sie "Natur und Umwelt" gutes tun würden. Immerhin hat sich in den letzten 16 Jahren (solange verwalte ich schon die Kasse des örtlichen Verkehrsvereines) die Zahl der aktiven Imker im Siebengebirge von 23 auf 72 erhöht. Was noch mehr zählt ist, dass sich die Zahl der Völker in diesem Zeitraum von 192 auf 497 mehr als verdoppelt hat.

 

 

Imkerei ohne Visionen!

Die zunehmende Bereitschaft aktiv zu imkern kaschiert das eigentliche Problem, dass eine Wildtierart ausgestorben ist. Mit jedem Jahr ohne Natur-Selektion wilder Völker schreitet die Domestizierung der Honigbiene fort. Manch hoch motivierter Imkeranfänger propagieren schon jetzt, dass Bienenvölker unbedingt in einem bestimmten Rähmchenmaß gehalten werden müssen oder die Kiste eine wesensgemäße Form und Größe haben müssen. Als wenn die wilde Honigbiene in der Natur wählerisch hätte sein können. Nur hohl muss der Baum sein. Da waren sich die Bienenvölker einig. Auch bemerken viele Imker nicht, dass wenn sie alle paar Jahre Zuchtkönigen kaufen um den Leistungsstand der Völker auf Niveau zu halten, dies nichts mit dem Schutz der Bienen zu tun hat. Alle Imkerei-Gruppen ( Ökofraktion, Anthroposophen, Wissenschaftler, Hobbyimker, Profizüchter , Berufsimker und Aktivistenschreihälse) werden es nicht schaffen aus der bis jetzt überlebenden Imkerbiene eine varroatolerante Honigbiene zu selektieren, die auch ohne Medizinbehandlungen des Imkers überlebensfähig wäre.


Wer könnte varroatolerante Bienenvölker züchten die sich dann wieder aus wildern lassen könnten?

Staatliche Bienen-Institute haben bewiesen, dass sie das nicht können. Sie bekommen schon seit über zwanzig Jahren Forschungsgelder. Ohne Ergebnis.

Professionelle Bienenzüchter, die tatsächlich in der Lage wären, haben jedoch kein Interesse. Schließlich bestimmen die größten Kunden der Züchter (Berufsimker) die Zuchtziele. Und die sind Ertrag, Ertrag und nochmals Ertrag. Gerade die Bio-Imker arbeiten mit auf Ertrag gezüchteten Buckelst-Hybriden. Bio- ist ein Geschäft. Wenn ein Bio-Imker viel Geld für die Zertifizierung ausgibt, will der das durch einen höheren Preis wieder zurück haben. 10% Mehrertrag können über Gewinn und Verlust eines Berufsimkers entscheiden.

Und was machen die Profiimker? Sie haben nichts anderes zu tun als noch weitere Bienenschädlinge nach Europa zu bringen

Nachdem Bienenforscher den "kleinen Beutekäfer" nach Portugal brachten, gelang es in letzter Minute durch Vernichtung der befallenen Völker den neuen Schädling wieder auszurotten. Danach brachten Berufsimker den kleinen Beutekäfer nach Kalabrien. Dort ist die Vernichtung befallener Völker nicht möglich, da der erste Bienenseuchen-Sachverständige bei seiner Arbeit von der Ndrangheta erschossen wurde. Der Weg des neuen Bienenschädlings nach Norden ist somit frei.


Ursachen des Aussterbens der wilden Honigbiene:

1. Der größte Feind der Honigbiene: Die Imker

Mitteleuropa:

Hier wurden die natürlich vorkommende Rasse (A. m. mellifera) schon Mitte des 19. Jahrhunderts von Imkern durch die Kärntner Biene (A. m. carnica) verdrängt.


England:

Schon vor über hundert Jahren wurden in England der natürliche Bestand der Honigbienen durch eingeschleppte Tracheenmilben und Virenkrankheiten (wahrscheinlich durch Import italienischer und spanischer Bienen) stark dezimiert. Stadt die heimischen Rasse (A. m. mellifera) auf Widerstandsfähigkeit gegen die neuen Viren zu selektieren, züchteten die Imker Hybriden zwischen der heimischen und der italienischen Biene (A. m. ligustica). Diese Hybriden werden nun seit hundert Jahren als "Buckfast-Bienen" gezüchtet. Die Eigenschaft der ursprünglichen Biene (A. m. mellifera) bei einem Kälteeinbruch im Frühjahr das Brutnest rettete dem Bienenvolk in der Natur zwar das Überleben, dem Imker kostete es aber den Honigertrag. Der Imker konnte ja durch Fütterung oder durch Wandern eingreifen.

Durch das einkreuzen der Buckfast-Bienen mit den noch wildlebenden A. m. mellifera wurde deren genetische Substanz in England ausgerottet.

 

Malta:

"Was die Deutschen und Engländer können, können wir auch!" Dachten die Malteser und zerstörten die maltesische Bienenrasse (A. m. ruttneri) nachhaltig ebenfalls durch den Import der italienischen Biene.


Kärnten:

Dort wo die Kärntner Biene ursprünglich heimisch war, wurde sie nicht durch Importe fremder Rassen verkreuzt, sondern starben erst in den späten 70er Jahren durch die sich in ganz Europa ausbreitenden Varroamilbe.


Amerika:

Europäische Bienenrassen, die vor 400 Jahren nach Amerika gebracht wurden, büchsten den Imkern aus und verbreiteten sich über den gesamten amerikanischen Kontinent. Durch weiteren Import europäischer Honigbienen in den 70er Jahren gelangten Varroamilben in die neue Heimat. Somit starben auch dort die wildlebenden europäischen Bienenvölker aus.


2. Die Forstwirtschaft:

Anders als es in der Waldsterbe-Propaganda der Öko-Verbände suggeriert wird, benötigt ein gesunder Naturwald auch einen Anteil an alten "kranken" Bäumen. Erst das Zusammenspiel von Pilzen, Käfer und Spechten lassen in alten Bäumen erst genügend große Hohlräume entstehen, die für die wilden Bienenvölker überlebenswichtig sind. Auch sogenannte nachhaltig betriebene Forstwirtschaft sind für wilde Honigbienen genauso lebensfeindlich wie die modernen Agrarwüsten. Erstaunlicher Weise haben sich die Öko-Aktivisten ausschließlich auf die moderne Agrarwirtschaft als Feindbild eingeschossen. Den geliebten deutschen Wald zu kritisieren traut sich keiner.


3. Besiedelte Räume:

Ähnlich wie in der Forstwirtschaft gibt es in besiedelten Räumen eine Null-Toleranz für hohle Bäume. Wegen der Verkehrssicherheit von öffentlichen Flächen


4. Forschung und Wissenschaft:

Nicht zuletzt waren auch deutsche Bieneninstitute unwissentlich aber aktiv an der Einschleppung der Varroamilbe beteiligt.


5. Moderne Landwirtschaft:

Ist die bäuerliche Landwirtschaft im Rhein-Sieg Kreis noch mit vielfältigen anderen Flächennutzungen vermischt, so bleiben die riesigen Agrarflächen in Nord und Ostdeutschland auch mit den gut gemeinten Greening-Vorschriften und Neonicotinoid-Verboten immer noch tödlich.


6. Der Verbraucher

In Deutschland werden 80% des verbrauchten Honigs importiert. Dadurch finden zahlreiche Infizierungen mit der bösartigen Faulbrut statt. Infizierte Wildbienenvölker würden, sich selbst überlassen, für Jahrzehnte jede Überlebenschance verlieren.


Rückblickend kann man sagen, dass die größten Probleme in der Imkerei in der Vergangenheit von Berufsimkern und staatlichen Bieneninstituten verursacht worden sind. Durch konträre Interessen von Verbänden und unverstandene Berichterstattung der Medien entstehen Eindrücke in der Öffentlichkeit, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Das Aussterben der wilden Honigbiene, die in Europa unbemerkte Realität ist, halte ich für die größte Umweltkatastrophe überhaupt. Erklärbar aber unverzeihlich ist, dass niemand etwas dagegen unternimmt.

 

Free the Bees

Zu ähnlichen Einschätzungen kommt auch ein Verein in der Schweiz, der sich mit wilden Honigbienen befasst. Wenn auch wissenschaftlich fundierter und politisch korrekter als meine rein durch meine 30 jährige Erfahrung geprägte Sichtweise.

freethebees.ch